Was ist Yoga für den Kopf?

Was kann man sich genau darunter vorstellen?

 

 

Fragesteller:

Jutta, dein Angebot heißt Yoga für den Kopf. Geht es hier um eine Art Gesichtsgymnastik oder um gezielte Übungen gegen Kopfschmerzen?

 

Jutta:

Man könnte leicht etwas Derartiges vermuten. Doch Yoga für den Kopf bietet viel mehr als das. An unserem Kopf befinden sich z.B. unsere Augen und Ohren, zwei Sinnesorgane durch die wir sehr viel wahrnehmen. Ganz selbstverständlich sehen und hören wir. Doch zudem haben wir die Möglichkeit, das was wir sehen und hören z.B. als gut oder schlecht, richtig oder falsch, etc. einzuordnen. Dies tun wir in vielen Fällen aufgrund unserer Prägung, und ohne dass wir auf die Idee kämen, dass man die Dinge auch mal von einer anderen Seite sehen könnte.

Bei Yoga für den Kopf kann man lernen seine Wahrnehmung zu verändern, seine Perspektive zu wechseln. Wenn dann überraschenderweise aus einer negativen eine positive Sichtweise werden kann, so hat das auch direkte Auswirkungen auf den Körper, Kopfschmerzen oder andere Stresssymptome. Und so passiert es, dass wir uns plötzlich mit unserer Umwelt mehr in Harmonie fühlen.

 

Fragesteller:

Also geht es bei Yoga für den Kopf eher um eine Art (Aus)-Dehnung unseres Denkapparates oder unseres Geistes?

 

Jutta:

Theoretisch könnte man es so sehen. So wie wir uns bei den Yoga-Körperübungen dehnen oder auf den Kopf stellen, so können wir auch mehr Flexibilität und vor allem mehr Raum in unsere Gedankenwelt bringen und Perspektiven verändern. Der Begriff Yoga bedeutet ja im übertragenen Sinn, etwas in Harmonie, bzw. in die Einheit bringen. Wir können diese Harmonisierung über gezielte Körperübungen anregen, oder durch andere Methoden, wie z.B. auch durch Meditation. Im Grunde geht es darum, mehr Raum für Bewusstsein zu schaffen. Wenn wir in der Lage sind, uns auf der Körperebene in alle Positionen ausdehnen zu können, doch wir gleichzeitig weiter an ausgedienten Gedankenmustern festhalten, werden wir auf der Stelle treten. Deshalb wäre es für jeden ein Gewinn, Flexibilität und Weite auf allen Ebenen zu erlangen. Dies auch der Grund, warum Yoga für den Kopf eine hervorragende Ergänzung zu anderen Yoga-Arten und Gesundheitspraktiken ist.

 

Fragesteller:

Du stellst auch die Frage „Glaubst du noch was du denkst?“. Wie meinst du das? Wie sollte ich denn nicht glauben was ich denke?

 

Jutta:

Nach meiner Ansicht besteht ein Großteil unserer Probleme darin, dass wir Gedanken ungeprüft Glauben schenken. Wir sind von der Idee und Sichtweise geprägt, dass Gedanken in unserem Kopf entstehen und wir uns damit abzugeben haben. Ich sehe das anders. Für mich sind Gedanken vergleichbar mit Wolken am Himmel. Manchmal verdunkeln sie, manchmal erhellen sie. Wolken haben die Eigenschaft vorüberzuziehen. Es ist unmöglich, eine Wolke festzuhalten, sich an sie zu klammern, sodass sie stehenbleibt und nicht mehr weggeht. Doch ohne Probleme bekommen wir das mit auftauchenden Gedanken sehr wohl hin. Wir halten die Gedanken fest, unbewusst und wie beiläufig. Und plötzlich werden negative Gedanken zu hartnäckigen Überzeugungen und dann zu ganzen Glaubenskonzepten, in denen wir uns fortan unbemerkt bewegen.

 

Fragesteller:

Verstehe ich das richtig? Du meinst also, dass wir viele Probleme gar nicht haben müssten, wenn wir unsere Denkweise überprüfen, unsere Wahrnehmung verändern und aufhören würden an negativen Gedanken festzuhalten?

 

Jutta:

Ja, so ist es. Wenn wir die Notwendigkeit sehen, in unserem Leben etwas zu verändern, dann können wir dies jederzeit tun. Wir können uns von überholten Konzepten befreien und damit nicht nur die Gegenwart, sondern sogar die Vergangenheit in ein anderes Licht rücken. Dies kann sehr befreiend und heilsam sein.

 

Fragesteller: Das klingt so einfach, wie du es sagst…

 

Jutta:

Ich sage nicht, dass es einfach ist. Doch es ist machbar. Und dies für die meisten von uns, sofern eine Veränderung gewünscht ist.

 

 

Wie bist du dazu gekommen, Yoga für den Kopf anzubieten?

 

Fragesteller:

Jutta, dein Angebot heißt Yoga für den Kopf. Was hat dich motiviert, dies ins Leben zu bringen?

 

Jutta:

Seit knapp zwanzig Jahren beschäftige ich mich mal mehr mal weniger intensiv mit Yoga. Ich überwand selbst durch Yoga starke körperliche Schmerzen, absolvierte vor rund 15 Jahren eine Yogalehrerausbildung und gewann tiefere Einblicke in diese Lehre. Im Laufe der Zeit habe ich für mich dann festgestellt, dass das Hatha-Yoga, welches in erster Linie in unserer westlichen Welt praktiziert wird, für mein persönliches inneres Wachstum und meinen Erkenntnisdrang nicht ausreichend war. Mein Weg führte mich dann zu weiteren Bewusstseinslehren und hinein in die eigene tiefe spirituelle Arbeit. Ich kam dann zu der Überzeugung, dass Yoga, so wie wir es hier kennen, eine Ergänzung braucht. Wir können Asanas üben und immer gelenkiger werden. Wir können meditieren oder Mantren singen. Doch wenn wir innerhalb unserer Gedankenwelt nicht ebenfalls flexibler werden, treten wir irgendwann auf der Stelle. Wir benötigen auf allen Ebenen mehr Raum für mehr Bewusstsein. Darauf mache ich mit meinem Angebot aufmerksam.

 

Fragesteller:

Hat dich Yoga immer begleitet?

 

Jutta:

Im Grunde schon, doch womöglich anders als du denkst. Wenn man hier von Yoga spricht, denkt man meist an Körperübungen, an Gelenkigkeit und an Entspannung.

Doch Yoga ist viel viel mehr als das. Was viele nicht wissen ist, dass Yoga eine Art von Wissenschaft oder auch Philosophie ist, die alle Bereiche des Lebens umfasst. Das heißt, auch wenn ich über eine Zeit meine körperlichen Übungen eingestellt habe, so habe ich immer noch Yoga praktiziert. Ich spreche hier von der Lebensführung, von Hingabe und von gewissen ethischen Grundsätzen, die auch in anderen alten Traditionen verankert sind.

 

Fragesteller:

Du sagst, wir benötigen auf allen Ebenen mehr Raum für Bewusstsein. Kann eine ursprüngliche jahrtausendealte Lehre wie Yoga das nicht alles abdecken?

 

Jutta:

Doch, im Prinzip schon. Doch wir dürfen nicht vergessen, wo Yoga herkommt. Es ist eine Frage von Kultur. Unsere Kultur hat mit der indischen Kultur wenig gemein. Und so können wir die Dinge nicht eins zu eins übertragen. Vieles klingt in unseren westlichen Ohren dann schnell zu esoterisch, zu spirituell und einfach unverständlich und irritierend. Meiner Ansicht nach erscheint es den Menschen dann auch oft zu kompliziert und mühsam, dabei muss es das gar nicht sein.

 

Fragesteller:

Siehst du dich dann selbst wie eine Art Übersetzer?

 

Jutta:

Ja, so ist es. Ich bin einerseits ein sehr spiritueller Mensch und andererseits sehr praktisch veranlagt. Klarheit zu erlangen ist manchmal einfacher als man denkt. Und Klarheit ist ein entscheidender Aspekt zu mehr Bewusstsein und einem Leben in Harmonie.